Die Ölmalerei fasziniert seit Jahrhunderten Künstler und Betrachter gleichermaßen. Trotz der zunehmender Beliebtheit von Acrylfarben gibt es zahlreiche Maler, die nach wie vor auf die Einzigartigkeit der Ölfarben schwören. Sie bieten viele Vorteile. Sie kann sowohl in dicken als auch in dünnen Farbschichten aufgetragen werden. Ihre lange Trocknungszeit erlaubt ruhiges Arbeiten. Ölmalfarbe wird nicht ohne Grund als „die Königin unter den Künstlermalfarben“ bezeichnet.
Folgende Techniken werden bei der Ölmalerei angewendet:
Tonmalerei – Nach der Regel „fett auf mager“ wird zunächst das vorgezeichnete Motiv in verhaltenen Grundtönen angelegt. Diese jeweiligen „Lokalfarben“ werden nach und nach in der Intensität gesteigert. Es ist ein Malen in den feuchten Farben. Sofern mit dem Borstenpinsel gearbeitet wird, sind Hilfsmittel hierfür kaum nötig. Wiederholtes leichtes „Verreiben“ mit einem Haarpinsel führt zu Glättungen der Oberfläche und Reduzierung überflüssiger Farbanteile. Dieses wiederum macht koloristische Steigerungen und Veränderungen möglich, ohne Trocknungsprozesse abzuwarten. Die Farben des Bildes sollten in der Tonmalerei dem vorher angelegten Grundton verwandt sein.
Lasurmalerei – Im Gegensatz zur Tonmalerei entsteht in der Lasurmalerei das Bild in mehreren Arbeitsgängen. Dünn aufgetragene Ölfarben bilden etwa am 2./3. Tag eine dünne Haut, die vorsichtig übermalt werden kann. Zunächst wird eine in der Regel monochrome Untermalung mit einer schnell trocknenden Farbe (Gouache oder Acryl) gefertigt. In dieser Untermalung sind schon alle wichtigen Formen, Linien und Kontraste enthalten. Dann erfolgt in mehreren Arbeitsgängen das „Einfärben“ der Untermalung mit lasierendem Farbauftrag. Dies kann partiell aber auch über die gesamte Bildfläche erfolgen. Hier ändert sich nicht die Form, sondern nur die Farbgebung! Lasuren bewirken koloristische Schönheiten, die durch Weißmischungen oder Mischungen aus deckenden Farben nicht möglich wären. Die Faszination entsteht durch das Einwirken der unteren Bildschichten, je heller die unteren Schichten desto brillanter erscheint die Lasur und damit die Ölmalerei. Generell empfiehlt sich bei dieser Technik, die speziellen Lasurtöne zu benutzen.
Primatechnik – Der Begriff ist vom Ausdruck „a prima vista“ – „auf einen Blick“ abgeleitet und versteht sich als eine spontane Maltechnik der Ölmalerei, welche vornehmlich von den Impressionisten geschätzt wurde. In „puristischer“ Anwendung dieser Malweise werden auf dem weißen oder zum Bild passenden farbigen Grund (z.B. Ocker oder Gelb) Farbflecken eher nebeneinander gesetzt als ineinander vermalt, so entstehen keine unerwünschten Farbänderungen. Gemischt wird hier nicht im Bild sondern auf der Palette, sofern die Farben nicht direkt aus der Tube genommen werden. Eine Variante dieser Ölmalerei Technik ist das dünne Anlegen „nass-in-nass“ und das abschließende Setzen pastoser Farbaufträge.
Schichtenmalerei – Bei der Schichtmalerei entsteht, ähnlich wie bei Lasurtechniken, das Bild in mehreren Arbeitsgängen hier jedoch eher durch deckende Farbaufträge. Auf getrockneter, farbiger Untermalung (Gouache oder Acryl) werden mehrere Schichten „trocken“ übereinander gelagert. Dieses ist technisch gut möglich, indem der Borstenpinsel, schräg gehalten, mit wenig Druck die Farbschichten „auflegt“. Die farbige Untermalung hat immer Einfluss auf die Farbwirkung des darüber liegenden Tones. Durch Spontanität bedingt, oder auch ganz bewusst gesteuert, können Farbschichten derart aufgetragen werden, dass kleinste Partien der Untermalung unberührt bleiben. Eine lebendige Variante bietet sich durch Farbschichten, die teils lasierend und teils deckend aufgetragen werden.